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Bushido
Biografie

HipHop in Deutschland 2004. Die Attacke kam unerwartet und sie kam aus Berlin. Während der heimischen Rap-Kultur in den letzten zwei Jahren zunehmend die Energie ausging, sorgte ausgerechnet die Straßenszene der Hauptstadt für den dringend benötigten Adrenalinstoß. Erst Kool Savas mit seinen polternden Reimen, dann setzten die Tape-Produzenten nach. Das Soundkollektiv Die Sekte und Einzelkämpfer Bushido, die Rapper B-Tight und Fler fanden mit dem Aggro-Label eine plakative Adresse für ihre Ideen. „Die Speerspitze des neuen Derbcores“ (SPEX) war mit einem Schlag geschmiedet. Gebrodelt hatte es schon lange. Seit Anfang der Neunziger gab es ungezählte Rap-Crews in der Techno-Stadt. Doch diese verschwendeten ihre Energie lieber in den Straßengangs. Große Sprüche, gepflegte Randale. „36 Boys“ gegen die „Giants“ gegen „Türken Master Crew“ - während anderswo, in Stuttgart, Hamburg oder Rödelheim, fleißig produziert wurde. Das „HipHop-Mobil“ des Senats sorgte zwar für eine nicht zu unterschätzende musikalische Basisarbeit. Selten jedoch reichte das Talent für eine überregionale Bedeutung. Oder erinnert sich noch jemand an die Islamic Force?

„Wir haben uns untereinander krass bekriegt und auf die Fresse gehauen“ erinnert sich Bushido. „Bezirk gegen Bezirk. Kaum aber waren wir raus aus der Stadt, sind wir gemeinsam aufgetreten. Als Berliner.“ Was dazu führte, dass die kantigen Jungs vom Kiez auf den HipHop-Jams oder beim „Battle of the year“ mit gehörigem Respekt behandelt wurden. Eine eher zweifelhafte Ehre – die kreativen „props“ holten sich andere. „Es dauerte eine ganze Weile bis wir begriffen, dass es nichts bringt, alles nur kaputt zu machen“, sagt Bushido. „Und als hätte jemand einen Schalter umgelegt, waren plötzlich zig Leute mit irgendwelchen Produktionen beschäftigt.“ Auch Bushido
versuchte sich im Jahr 2001 am Do-It-Yourself-Prinzip: „Ich war niemand, kannte niemanden und wusste nicht, ob sich überhaupt jemand für meine Musik interessieren würde. Ich wollte einfach nur ein Tape machen.“

Bushido, sein Samurai-Künstlername bedeutet „Wege des Kriegers“, ist bei seiner Mutter aufgewachsen. Kein dramatischer Sozialfall; den tunesischen Vater hat er trotzdem nie kennen gelernt. Seine Schulzeit, die ihn auf den Gymnasiums-Zweig der Eckener Oberschule führte, hält er in positiver Erinnerung. „Das wurde mir aber erst später klar, nachdem ich in der 11. Klasse alles hingeschmissen hatte. Leistungsmäßig lief es bis dahin ganz gut; doch ich war zu chaotisch und andauernd setzte es Tadel. Irgendwann fingen die Drogengeschichten an. Von meinen Freunden war auch keiner mehr auf der Schule und ich fehlte immer häufiger.“ Er mutierte zum typischen Metropolen-Herumhänger. Arbeitslos, Dealer, Krimineller. Die eigene Musik war trotz erster Reime zu N.W.A. über Kopfhörer und den Anregungen seines alten Rap-Kumpels Vader („ohne ihn würde es keinen Bushido geben“) noch ein fernes Thema. Stattdessen griffen die Fahnder zu: „Volltreffer. Ich saß da mit `ner ganzen Gras-Lieferung und landete zum dritten Mal beim selben Richter. Der schlug mir einen fairen Deal vor, den
allerletzten: Statt Knast ein Ausbildungsheim am Wannsee.“ Hier erlernte Bushido unter der strengen Leitung seines algerischen Meisters - selbst bei fünf Minuten Verspätung gab es Zoff - das solide Handwerk des Malers und Lackierers.

Anstatt nach Süddeutschland zu ziehen, wo es vielleicht noch einen Anschlussjob gegeben hätte, blieb Bushido nach der Gesellenprüfung in Berlin. Endlich Zeit für die eigene Musik. Mit einfachen Mitteln und beißenden Battle-Raps entstand das erste Bushido-Tape, das er im üblichen Eigenvertrieb persönlich in die einschlägigen Plattenläden Berlins trug. „Drei, vier Wochen später bekam ich einen Anruf vom Downstairs-Shop. Der dortige Boss Halil erzählte mir, dass er gemeinsam mit Specter und Spaiche ein Label namens Aggroberlin gegründet hätte. Ob ich nicht mitmachen wollte? Die Kollegen von Die Sekte wären auch dabei.“ Bushido schlug ein. Was hatte er groß zu verlieren!? Und mit einem Schlag waren die schmutzigen Electro-Sounds und die kompromisslosen Rhymes der Hauptstadt vereinigt. Beflügelt von der gemeinsamen Vermarktung der „Ansage“-Compilations wurde der Sägeblattschriftzug von Aggro zum Mythos eines neuen HipHop-Styles, der kaum etwas mit den gepflegten Pop-Experimenten der bundesrepublikanischen Konkurrenz gemein hatte.

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