R. Kelly
Seit seinem erstmaligen Erscheinen auf der R&B-Szene im Jahre 1992 hat der Mann aus der „Windy City“ Chikago in den vergangenen dreizehn Jahren fürwahr einen weiten Weg zurückgelegt: Vom Straßensänger in den U-Bahn-Stationen seiner Heimatstadt zum Soul-Man Numero Uno weltweit. Ob als Tänzer auf den Straßen in „Step In The Name Of Love“ oder als inspirierter Crooner auf „I Believe I Can Fly“ oder als sweet’n’sexy Party-Löwe bei „Ignition“ – stets wandelte R. Kelly mit seiner Musik die auf einem schmalen Grad zwischen ungebremster Massenkompatibilität und kompromissloser Extravaganz. Doch keine seiner bisherigen Produktionen hätte die Millionen treuer Fans des Soulmeisters auf das vorbereiten, was auf Kellys zehnten Album, „TP.3 Reloaded” erwartet...
Auf den insgesamt zwanzig Songs des Albums zeigt er allen, die sich bereits anmaßen, seine Nachfolge antreten zu wollen, wer nach wie vor der wahre König des R&B ist. Souverän fügt er sämtliche Teile seiner vielfältigen musikalischen Persönlichkeit zusammen und kreiert ein dichtes Werk, das sich in aller Ausführlichkeit mit den Irrungen und Wirrungen von Sex und Liebe im Großstadtdschungel befasst. „TP.3“ enthält Beats mit Hüftwackelgarantie und erzählt dramatische Liebesgeschichten, die seinen Helden Marvin Gaye mit Sicherheit stolz machen würden. Oder wie die Musikjournalistin Tonya Pendleton es ausdrückte: „Kelly wurde von einer überirdischen Macht mit Großartigkeit gesegnet.“
Der Opener „Playas Club” mit Rap-Shootingstar The Game aus Compton, Kalifornien hat das Zeug zum glamourösen Club-Klassiker. Kelly gibt sich als schwarzer Hugh Hefner (auch der „Playboy“-Gründer kommt aus Chikago), wenn er über die örtliche Clublandschaft singt: „Where the chicks be jerkin’ their bodies … where playas be spendin’ a lot of dough.” „Playas Club“ ist Gangsta - aber ohne Schießereien.
Während „Playas Club” bestens im Radio funktioniert ist es doch der ungewöhnliche fünfteilige Song-Zyklus „Trapped In The Closet,“ der bei den US-Radiosendern derzeit für helle Begeisterung sorgt. Kelefa Sanneh, Musikjournalist bei der renommierten New York Times, beschreibt Kelly als „eines der verrücktesten Genies in der Popmusik,“ und R. Kelly macht diesem Titel alle Ehre. Für seine urbane Operette hat er sich eine bizarre Geschichte aus Lust, Rache und Verrat ausgedacht. Die Stücke erinnern in ihrer Erzählweise an altmodische Radio-Fortsetzungsgeschichten und haben keine herkömmlichen Hooks, aber sie bleiben trotzdem im Ohr. Als besondere Dreingabe für die Fans sind alle fünf Videokapitel von „Trapped In The Closet“ als Special auf „TP.3 Reloaded“ enthalten.
Der grandiose Sommer-Song „Happy Sunshine” klingt wie ein moderne Sly-Stone-Track. Kellys Homie Snoop steuert fulminante Raps bei und R. Kelly selbst ist in Bestform. „Happy Sunshine“ ist eine Hymne an die schönen Frauen seiner Heimatstadt. Der Kritiker Rob Marriott schreibt: „Trotz seiner mitunter unverhohlen chauvinistischen Ausdrucksweise weiß R. Kelly sehr genau, wie Frauen ticken. Seine Songs mögen oberflächlich sein, aber er bleibt immer glaubhaft. Er macht Musik, an der Frauen genauso viel Spaß haben wie Männer.“
Auf „Reggae Bump Bump” und „Burn It Up” experimentiert R. Kelly mit ungewöhnlichen Riddims und setzt damit einmal mehr neue Standards für die nachfolgende Generation von R&B-Künstlern. Für „Reggae Bump Bump“ hat er sich mit dem „Prince Of Dancehall“ Elephant Man zusammengetan – und das zunächst eigentümlich erscheinende Duo harmoniert großartig. R. Kelly schwärmt im Song von einem hervorragend gebauten Mädchen und bewegt sich im Reggae-Genre mit einer Selbstverständlichkeit als hätte er nie etwas anderes getan. Und „Burn It Up“ mit seinen wahnsinnigen Drums und Reggaeton-Rhythmen wird mit Sicherheit ein Dancehall-Smash-Hit werden.
Das Old-School-Stück „Remote Control” reist in der R&B-Geschichte zurück in die Zeit der Delfonics und der Moments. Kelly klingt, als singe er im schummrigen Zwielicht eines Rotlichtbezirks. Dieser Slow-Jam-Song ist wahrscheinlich der sinnlichste Track auf dem Album. Und befindet sich damit in bester Nachbarschaft zu „Touchin’“, das gleichzeitig zärtlich und unanständig ist. Womanizer R. Kelly weiß nur zu gut, wie man Frauen in Stimmung bringt.
Das fantastische Album „TP.3 Reloaded” zementiert R. Kellys Ruf als erfindungsreichen, vielseitigen und wegweisenden Protagonisten der modernen Soulmusik. Es ist unanständig und spaßig, romantisch und aufregend. Seien Sie wachsam, denn hier passiert Außergewöhnliches.